Schallisolierung und Schalldämpfung für die Gleise

Das Rattern der Räder auf den Schienen stört manchmal. Wie kann man das Geräusch dämpfen und zugleich etwas an Höhe für den Bahndamm gewinnen?

Erstens mal eine nette Frage: Sind Sie schon mal am Bahndamm gestanden, als ein echter Zug vorbeigefahren ist? Na? War das Geräuschlos? Nicht wirklich, oder? Die Wahl, um die Modellzüge so leise wie möglich zu machen, ist damit eine ganz persönliche, und man wird sich selber die Frage beantworten müssen. Es ist aber so, dass das Gleis meist etwas höher liegt (auf einer Art Damm) und es so viel schöner aussehen kann, wenn das Gleis auf einer Erhöhung liegt.

Hierunter ein Versuch zur Erklärung von ein paar Sachen:

-Die Theorie und ein paar allgemeine praktische Tipps
-Verschiedene Sorten Materialien zur Dämpfung
-Schlussfolgerung

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, die man benutzen kann, um die Geräusche der Züge zu dämpfen und die Gleise etwas höher zu legen.

Bevor ich aber die Möglichkeiten beschreibe, erst mal etwas Theorie, was sich als nützlich erweisen kann, wenn man es im Hinterkopf behält. Hier schon mal ein Hinweis, das sich da doch schon einiges abspielt, was man GUT im Auge behalten sollte, wenn man sich mit diese Materie beschäftigt.

Annahme 1: Wenn die Gleise den Unterbau nicht berühren würden aber drüber „schweben“ würden, hätte man auf der Modellbahn kein „Geräuschproblem“.

Ist diese Annahme fremd? Ja und nein. Das Geräusch kommt geht zwar in Richtung des Unterbaus, aber stoppt, da es auf eine Luftschicht trifft. Hiermit ist klar was man tun sollte, um eine Modellbahn so leise wie möglich zu machen: Lasse die Gleisen soviel wie möglich  über dem Unterbau „schweben“ und man hat schon ein ganzes Stück auf den Weg zum Geräusche eliminieren geschafft. Je weniger der Unterbau berührt wird, desto besser ist es.

Annahme 2: Ohne Resonanzkasten kommt fast kein Geräusch aus der Lautsprecherbox.

Jeder, der schon mal mit Audiosachen zu tun hatte, weiß, dass ein Lautsprecher ohne Resonanzkasten viel weniger Geräusch hergibt. Das Geräusch schallt von den Wänden des Resonanzkastens zurück und kommt verstärkt raus. Mit einer Modellbahn ist es das gleiche, nur möchte man dies nicht. Die Grundplatte der Modellbahn transportiert die Geräusche (Vibrationen) vom Zug überall hin und verstärkt die auch noch mal.

Also sind wir auf der Suche nach etwas, das die Vibrationen absorbiert und den Kontakt mit der Bodenplatte minimiert.

Wenn man auf der Modellbahn eine platte Styropor o. ä. hinlegen würde (dies ist voll von Luftkammern) berührt man zwar noch die Grundplatte, aber nur noch in kleinen Teilen. Damit werden auch die Vibrationen zum Teil durch den Styropor weggenommen und man ist schon einen großen Teil des Kontaktgeräusches los. Eine prima Lösung…..:

Gut, jetzt hat man DAS Material gefunden, das gut dämpft, hart genug ist, damit es nicht einsinkt, und das die Kontaktgeräusche prima unterdrückt und jetzt kann man anfangen, die Gleise zu Schottern… Halt!!!…..Richtig… über den Schotter gelangt das Geräusch doch wieder in die Anlagenplatte, die als Resonanzkasten funktioniert.

 

Die Dämpfung, die man so schön gemacht hatte, ist jetzt wieder größtenteils verschwunden. Der Schotter legt sich wie ein knallharter Kuchen um die ganze Konstruktion und verstärkt das Geräusch wieder…..Das ist auch der Grund, warum man Schotter mit einem Leim kleben sollte, der Flexibel ist und bleibt! Weißleim ist m. E. deshalb auch nicht zu empfehlen, besser ist dann Haftgrund auf Latexbasis oder Buchbinderleim. Siehe auch den Beitrag „Schottern mit Weißleim“.

Ein anderes Problem ist die Befestigung der Gleise auf dem isolierenden Untergrund. Wenn man die Gleise fest schraubt oder nagelt, kann es sein, das die Nägel durch die Isolierung direkt in die Bodenplatte gehen und die ganze Arbeit umsonst war…

Deshalb ist es besser, alles Minimal mit Nägeln und Schrauben zu befestigen und den Schotter als Klebemittel für die Gleise zu benutzen. Vorläufig kann man die Nägel sitzen lassen, aber später ist es doch besser, so viel Nägel und Schrauben wie möglich rauszuholen. Das Festkleben  der Isolierungsschicht geht super (und auch noch billig) mit doppelt seitigem Klebeband, welches auch zum kleben von Teppichen benutzt wird.

Soweit die Theorie, jetzt die Praxis. Ein paar Beispiele von Schallschutz, welche auf der Modellbahn benutzt werden sind:

-Kork
-Weiches Schaummaterial
-Roofmate oder XPU Schaum
-Styropor Schaum
-Laminat Unterboden
-Faserunterboden
-Unter Tapete
-Doppelseitiges Klebeband
-Modelleisenbahn Produkte

Kork

Die bekannteste (und älteste) Methode ist mit Kork. Schön Stabil, gut zu verarbeiten und dämpft die Geräusche der Gleise gut. In den 80er Jahren (man weiß ja, Orangefarbene Tapete, Erdnusssoße) überall zu bekommen um die Wände damit zu bekleben, mittlerweile schon schwieriger zu bekommen. Aufpassen!!! Die Bodenfliesen taugen nichts! Die sind viel zu hart und dämpfen das Geräusch überhaupt nicht. Wenn man noch Kork bekommen kann, möchte man eine weiche Variante.

Weiches Schaummaterial:

Dämpft sehr gut, aber pass auf, dass nicht eine zu dicke Schicht und eine zu weiche Variante benutzt wird, welche die Gleise durchhängen lässt. Auch mal schnell auf das Gleis lehnen ist etwas, was man nicht tun sollte, wenn man dieses Material benutzt hat. Dadurch bricht der Schotter wieder ab, und dann viel „Spaß“ beim Nacharbeiten …m. E. nicht zu empfehlen.

XPU oder Roofmate:

Zu bekommen beim Dachdecker und als Untergrund für die Modellbahn wirklich zu empfehlen. Lässt sich sehr gut verarbeiten und keine rumfliegenden Kugeln o. ä. während dem schneiden.

Styropor:

Aaaarrrrrgggggghhhhh, ich werde VERRÜCKT von den losen Kugeln, die man während der Verarbeitung bekommt. Es dämpft zwar sehr gut, aber manchmal ist es empfindlich bei Farbe mit Lösungsmitteln. Man bekommt Styropor in verschiedensten Stärken im Baumarkt.

Laminat Unterboden:

Erhältlich im Baumarkt und mit einer Schere einfach zu bearbeiten. Durch die Stärke (Dünn) sehr gut für Spur N zu verwenden. Das Wählen zwischen der Variante mit oder ohne Alu-Schicht ist nicht notwendig. Wähle die billigste Variante, die Verarbeitung ist gleich.

 

 

Faserunterboden:

Dämpft schlecht, verarbeitet sich nicht gut (staubt und fusselt während der Verarbeitung) und deshalb nicht zu empfehlen, weil es wesentlich bessere Alternativen gibt. Während der Verarbeitung saugt es Feuchtigkeiten wie ein Schwamm auf, wodurch Schottern o. ä. bestimmt nicht einfacher wird.

Unter Tapete:

Die Dämpfung ist in etwa gleich wie die vom Kork und ist gut im Baumarkt zu bekommen Unter Tapete ist aus einer art Foam (Schaum) hergestellt und gibt es z. B.:  in Stärken von 3,5 und 7mm. Vom Preis-Leistungsverhältnis her sicher zu empfehlen.

Doppelseitiges Klebeband:

Eine nette Methode ist doppelt seitiges (Foam) Klebeband. Nicht die dünne (Papier)Version aber die dickere (1,5mm) Versionen machen sich gut. Einfach an zu bringen und auch wieder (ziemlich) einfach wieder zu entfernen. Wenn man ein bisschen aufpasst, kann man sich das billig besorgen und geht es nicht so im Geldbeutel, anders ist es relativ teuer. Obwohl, auf zum Billigladen wie Aldi, Lidl usw. Die haben es zwar nicht immer auf Lager, aber es lohnt sich, die billigere Sorte zu finden.

Beim Schottern aber mit dem verwendeten Leim oder der Farbe aufpassen, damit das Lösungsmittel nicht die Leimschicht des Klebebands auflöst. Das kann man nur durch Versuche rausfinden, die Praxiserfahrungen, die wir beim Schottern mit der normale Weißleimmethode selber gemacht haben, kann man erfolgreich nennen, aber Schottern mit Farbe hat doch an manche Stellen an der Seite die Klebeschicht angetastet. Nicht sehr schlimm (zum Schluss hat alles wieder durch die Farbe geklebt), aber vielleicht doch etwas zum nachdenken und ein Teststück machen, ehe man „Groß“ anfängt.

Standard Modellbahn Dämpfungsmaterialien:

Außer der hier oben genannte Alternativen gibt es natürlich auch noch die Standard Materialien von Noch, Peco Merkur usw., usw., usw.  Die Verarbeitung ist im Allgemeinen sehr Gut, aber die Punkte von der Befestigung  wie weiter oben genannt, gelten auch hier. Vom Preis her, kann es ziemlich teuer werden, aber einfach zu verarbeiten sind sie sicherlich.

Schlussfolgerung:

Wie man sehen kann, gibt es doch verschiedene Schwerpunkte bei der Verarbeitung von Isolierungsmaterial und Gleise, und der Wahl der Materialien. Welches Material man wählt ist weniger wichtig als die Art und Weise, wie es befestigt wird. Und ob überhaupt Geräuschisolierung benutzt werden soll ist eine persönliche Entscheidung, die man sich vielleicht noch mal gut überlegen sollte.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.